Die zehn schönsten Aussichtspunkte Deutschlands
Deutschlands Aussichtspunkte sind überraschend vielseitig für ein Land, das man oft mit Wald und Feld beschreibt. Die Bayerischen Alpen liefern alpine Panoramen, die Mittelgebirge — Harz, Taunus, Schwarzwald — bieten ihre eigene Wald- und Höhenzugcharakteristik, an Rhein und Mosel öffnen sich Kulturlandschaften, und die Kreideküste Rügens an der Ostsee ist im positiven Sinne untypisch. Die folgende Auswahl versucht, jede Region zu vertreten.
1. Zugspitze, Bayerische Alpen
Mit 2.962 m ist die Zugspitze Deutschlands höchster Punkt. Sie liegt im Wettersteingebirge direkt auf der Grenze zu Österreich, oberhalb von Garmisch-Partenkirchen. An klaren Tagen reicht das Gipfelpanorama in vier Länder — Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien — und umfasst mehr als 400 benannte Gipfel. Im Süden überblickt man den Zugspitzgletscher, einen der wenigen verbliebenen Gletscher in den deutschen Alpen; im Osten schließen die Berchtesgadener Berge den Horizont.
Der Zugang ist für alpine Verhältnisse komfortabel: Die Zugspitzbahn, eine Zahnradbahn, startet am Garmisch-Partenkirchner Bahnhof und braucht rund 75 Minuten bis zum Gipfel. Die Eibsee-Seilbahn steigt von 1.000 m Höhe in rund zehn Minuten zum Gipfel auf und bietet dabei einen spektakulären Schwebeblick über den See. Kombinierte Tickets für beide Aufstiegsvarianten sind erhältlich. Auf dem Gipfel befinden sich ein Gipfelrestaurant, eine Wetterstation von 1900 und ein goldenes Gipfelkreuz. Schnee ist in jedem Monat möglich; die sichersten Fernsicht-Bedingungen bieten Juni bis September. Nächster Flughafen ist München, rund 90 km nördlich.
2. Königsstuhl, Rügen
Der Königsstuhl ist ein 118 m hoher Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund auf der Ostseeinsel Rügen — Deutschlands größter Insel, erreichbar über die Rügenbrücke von Stralsund oder per Fähre. Die Steilwand leuchtet strahlend weiß vor dem tiefen Blau des Greifswalder Boddens und der offenen Ostsee. Caspar David Friedrich malte diese Küste 1818 in seinem berühmten Werk „Kreidefelsen auf Rügen"; auf der Aussichtsplattform über dem Abgrund lässt sich gut verstehen, warum ihn die Szenerie fesselte.
Das Nationalparkzentrum Königsstuhl liegt unweit der Kliffkante und zeigt eine Ausstellung zur Ökologie der Buchenwälder, die sich über das Kreidesockel ziehen. Vom Parkplatz Hagen aus führt entweder ein Küstenwanderweg (rund 3 km pro Strecke durch UNESCO-gelisteten Buchenwald) oder ein Shuttlebus zum Aussichtspunkt. Das beste Licht herrscht am Morgen, wenn die Kreidewände leuchten. Rügen und die benachbarte Insel Usedom sind beliebte deutsche Sommerreiseziele — für Juli und August sollte man Unterkünfte frühzeitig buchen.
3. Brocken, Harz
Der Brocken erhebt sich als gerundete Granitkuppe auf 1.141 m über das bewaldete Harzplateau und ist Norddeutschlands höchster Punkt. Seine Lage macht ihn zu einer natürlichen Wolkenfängerin — Goethe siedelte die Walpurgisnacht in Faust hier an —, doch an klaren Tagen reicht die Sicht bis über 200 km, gelegentlich bis zum Taunus und zu den norddeutschen Tieflandküsten.
Am atmosphärischsten ist die Anreise mit der Brockenbahn, einer Schmalspurbahn mit Dampftraktion, die seit 1898 fährt. Züge starten in Wernigerode und Nordhausen; die Fahrzeit beträgt je nach Abfahrtsort rund anderthalb bis zwei Stunden. Die Bahn lief auch während der DDR-Zeit (der Gipfel beherbergte einen Grenzposten), was ihr historisches Gewicht verleiht. Zu Fuß empfiehlt sich der Brockenweg ab Schierke (rund 9 km Rundtour, 400 Hm) durch Fichten und offenes Moorland. Ein Gipfelhotel und ein Restaurant haben ganzjährig geöffnet. Besonders eindrucksvoll ist der Herbst, wenn das Moorheidekraut blüht und die Buchen sich gold färben.
4. Rheinsteig — Loreley-Aussicht, Mittelrhein
Der Loreley-Schieferfelsen ragt 132 m senkrecht über dem Rhein an einer der engsten und gefährlichsten Flussbiegungen auf, nahe der Stadt St. Goarshausen. Die Aussichtsplattform auf dem Gipfel blickt auf den vollen Bogenschwung des Rheins, mit Steilweinhängen auf beiden Seiten und dem UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, das sich nach Norden und Süden erstreckt. Rheinkreuzfahrer und lange Güterfrachter navigieren die Kurve nahezu ununterbrochen.
Der Gipfel ist per Kurvenstraße ab St. Goarshausen erreichbar (Parkplatz vorhanden) oder zu Fuß über den Rheinsteig-Fernwanderweg, der das gesamte rechte Rheinufer entlangführt. Das Freiluftamphitheater auf dem Plateau trägt im Sommer Großkonzerte aus. Nachmittags und abends liegt das beste Fotolicht vor, wenn die Sonne hinter den Hunsrück-Bergen versinkt und den Fluss vergoldet. Ein Besucherzentrum am Fußpunkt erläutert die Legende der Loreley, erstmals von Clemens Brentano 1801 verschriftlicht und durch Heines Gedicht von 1824 weltberühmt.
5. Heidelberger Schloss — Altan
Das Heidelberger Schloss thront auf einem Sandsteinrücken über dem Neckartal; der Altan — eine breite Renaissance-Loggia am Westende des Friedrichsbaus — ist eine der bekanntesten Stadtaussichten Deutschlands. Das Panorama reicht direkt hinab auf die Alte Brücke (Karl-Theodor-Brücke, erbaut 1788), auf den Fluss in Nachmittagsreflexen und auf die rotgedeckte Altstadt am Nordufer. Den nördlichen Horizont schließt der Heiligenberg ab.
Zum Schloss kommt man zu Fuß über den Burgweg aus der Altstadt (15 Minuten) oder mit der Bergbahn ab dem Kornmarkt. Der Eintrittspreis umfasst das gesamte Schlossgelände; der Altan liegt innerhalb des freien Außenbereichs. Das Schloss ist ganzjährig geöffnet. Der Altan zeigt sein bestes Gesicht am Nachmittag: Die tiefstehende Westsonne trifft den orange-roten Sandstein der Schlossmauern und die Brücke gleichzeitig. Ein Schlossfestspiel findet von Ende Juni bis August im Schlosshof statt. Heidelberg liegt direkt an der ICE-Magistrale Frankfurt–Stuttgart und ist per Bahn bestens erreichbar.
6. Watzmann — Hocheck
Das Watzmannmassiv gehört zu den dramatischsten Berggruppen in den deutschen Alpen; der Hauptgipfel (Mittelspitze) misst 2.713 m. Hocheck (2.651 m) ist der nördlichste und zugänglichste der drei Watzmanngipfel und eröffnet einen schwindelerregenden Blick ostwärts die rund 2.000 m hohe Ostwand hinab sowie südostwärts auf den fjordartigen Königssee, mit der rot gezwiebelte Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Seeufer.
Von Berchtesgaden führt der Watzmannhaus-Weg ab der Wimbachbrücke auf das Hocheck — in der Regel vier bis fünf Stunden und rund 1.500 Höhenmeter Aufstieg. Das Watzmannhaus (DAV, auf 1.930 m) bietet Übernachtung und Verpflegung und ist ein sinnvoller Stützpunkt für den letzten Abschnitt zum Hocheck (nochmals anderthalb bis zwei Stunden). Es handelt sich um ernstes Alpinterrain; volle Bergausrüstung und gute Bedingungen sind Pflicht. Der umgebende Nationalpark Berchtesgaden zählt im Sommer viele Besucher; frühe Starts werden belohnt.
7. Sächsische Schweiz — Bastei
Die Bastei ist eine Gruppe verwitterter Sandsteinpfeiler, die 194 m über dem Elbtal ragen, im Elbsandsteingebirge südlich von Dresden, im Nationalpark Sächsische Schweiz. Die 1826 erbaute Steinbrücke, die die Hauptpfeiler verbindet, zählt zu den meistfotografierten Natur-Bauwerken Deutschlands. Von Brücke und Aussichtsplattformen überblickt man ein Labyrinth bewaldeter Sandsteintafelberge bis ins Böhmische, mit der Elbe glitzernd tief unten.
Der beliebteste Anstieg startet in Rathen, das per Fähre über die Elbe vom gleichnamigen S-Bahnhof erreichbar ist (S-Bahn aus Dresden rund 40 Minuten). Von der Fähre geht es steil bergauf, in etwa 30 Minuten. Alternativ existieren Parkplätze auf dem Plateau oberhalb. Die Bastei gehört zu den meistbesuchten Naturzielen Ostdeutschlands; frühe Wochentags-Besuche sind deutlich ruhiger. Herbstnebel im Tal zwischen den Felsspitzen schafft besonders atmosphärische Foto-Bedingungen.
8. Feldberggipfel, Schwarzwald
Der Feldberg (1.493 m) ist der höchste Punkt im Schwarzwald und ganz Deutschlands nördlich der Alpen. Das Gipfelplateau ist breit und offen: nach Süden und Osten (bei guter Sicht besonders im Winter) die Alpen der Schweiz und Österreichs, westwärts die Rheinebene und die Vogesen in Frankreich, nördlich die sanften Waldhügel des Südschwarzwalds. Der Feldsee — ein kleiner Karsee — liegt in einem Kar ostseitig des Gipfels.
Die Feldbergbahn (Sessellift) steigt in rund 15 Minuten aus dem Seebucktal. Zu Fuß ist der Gipfel in 30 bis 45 Minuten ab Feldberg erreichbar. Auf dem Gipfel gibt es ein großes Restaurant und den Bismarckturm als Aussichtsturm. Im Winter hält sich verlässlich Schnee; ein kleines Skigebiet ist in Betrieb. Besonders lohnend sind Besuche im späten Mai und Juni, wenn die Bergblumenwiesen rund um den Gipfel blühen. Von Freiburg im Breisgau (rund 40 km nordwestlich) ist der Feldberg gut als Tagesausflug zu bewältigen.
9. Calmont-Aussicht, Bremm (Mosel)
Der Calmont-Weinberg oberhalb von Bremm hängt an dem — zumindest für Weinbau — steilsten Hang Europas mit Neigungen um 65°. Das Gipfelkreuz auf rund 360 m NN öffnet die Vogelperspektive auf die engste Flussbiegung der gesamten Mosel — die Bremmer Calmont-Schleife — mit terrassierten Rieslinglagen und den honigfarbenen Dörfern Bremm und Ediger-Eller im Flussrahmen.
Der Calmont-Klettersteig (Klettersteig Calmont) zieht sich am Kamm entlang; er ist der einzige Klettersteig im rheinland-pfälzischen Weinland. Eine Rundwanderung ab Bremm dauert drei bis vier Stunden und schließt Abschnitte des Moselhöhenwegs ein. Riesling-Weine aus diesen Extremlagen erzielen Premiumpreise; örtliche Winzer in Bremm und Ediger-Eller verkaufen direkt ab Hof. Die Mosel-Weinlese läuft üblicherweise von Ende September bis Oktober — dann ist das Tal besonders belebt. Nächste Bahnstation ist Cochem, rund 12 km südwestlich, von wo Regionalbusse abfahren.
10. Berliner Fernsehturm, Berlin
Der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz misst 368 m und trägt eine Aussichtsetage auf 203 m — der höchste öffentlich zugängliche Aussichtspunkt Berlins. Das 360°-Panorama zeigt Berlins gesamte Geographie: die Spree, die sich durch den ehemaligen Ostteil schlängelt, das grüne Rechteck des Tiergartens im Westen, Berliner Dom und Museumsinsel direkt unten, die Plattenbausiedlungen nach Norden und Osten sowie den wiederaufgebauten Mitte-Bezirk, der die frühere Teilung überbrückt. An sehr klaren Tagen sind der Müggelsee im Südosten und das Teltower Hochplateau sichtbar.
Der Turm wurde 1969 von der DDR-Regierung als Demonstration technologischer Leistungsfähigkeit eingeweiht und wurde rasch zu einer ungewollten Kuriosität des Kalten Krieges: Wenn die Sonne auf die Stahlkugel scheint, erzeugt sie eine kreuzförmige Reflexion, die die SED nicht beseitigen konnte. Eintrittskarten online buchen vermeidet Warteschlangen. Das rotierende Restaurant eine Etage unter der Aussichtsplattform dreht sich einmal pro Stunde. Der Turm ist täglich ab 9 Uhr bis Mitternacht (Sommer) geöffnet. S-Bahn und U-Bahn laufen von allen Richtungen am Alexanderplatz zusammen.
Mittelgebirgs-Denken
Viele der lohnendsten deutschen Aussichtspunkte liegen in den Mittelgebirgen — einem breiten Bogen mittlerer Bergzüge zwischen Alpen und Nordseetiefland. Harz, Taunus, Rhön, Eifel, Sauerland, Schwarzwald und Bayerischer Wald haben jeweils eine eigene Identität, teilen aber einen gemeinsamen Charakter: sanfte Höhenzüge statt dramatischer Wände, reife Mischwälder mit Buche und Tanne, bescheidene Gipfelgaststätten mit regionaler Küche und eine Atmosphäre, die eher intim und zugänglich als entlegen und anspruchsvoll ist. Das macht die Mittelgebirge ideal für Tageswanderer und Familien; Aussichtspunkte liegen selten mehr als wenige Stunden Fußmarsch von Parkplatz oder Bahnstation entfernt.
Praktisches und Übersicht
Alle zehn Aussichtspunkte sind ohne eigenes Auto mit Deutsche Bahn und Regionalbus erreichbar, auch wenn Watzmann und Calmont ein Fahrzeug komfortabler machen. Das Bayern-Ticket eignet sich hervorragend für Tagesausflüge zu Zugspitze, Hocheck und Königssee. Für den Mittelrhein bieten die Bahnhöfe Bacharach, St. Goar und andere Dorfstationen entlang der Rheintalbahn Fußzugang zu mehreren Aussichten.
Die interaktive Karte zeigt Ausgangspunkte, Bergstationen und nahe Unterkünfte für alle Regionen.