Die zehn schönsten Aussichtspunkte Mexikos
Mexikos Aussichtsgeographie ist so breit wie das Land selbst: von der von Cenotes durchbrochenen Kalksteinplatte Yucatáns bis zur hochgelegenen vulkanischen Zentralhochebene, von der Sonoran-Wüste im Norden bis zum Regenwald von Chiapas im Süden. Die folgende Auswahl skizziert die Bandbreite — Vulkan, Dschungel, Wüste, Küste und eine aztekische Stadtspitze. Die wichtigsten internationalen Einflugspforten sind der Flughafen Benito Juárez in Mexico City (MEX) sowie der Flughafen Cancún (CUN). Fast alle der folgenden Aussichtspunkte lassen sich mit einer Kombination aus Inlandsflügen und dem ADO-Fernbussystem erreichen.
1. Popocatépetl, Paso de Cortés
Der Aussichtspunkt am Paso de Cortés, auf etwa 3.700 m zwischen Popocatépetl (5.393 m) und Iztaccíhuatl (5.230 m), bietet vermutlich das dramatischste Doppelvulkanpanorama der Welt. Beide Gipfel füllen den Himmel zu beiden Seiten aus; an klaren Wintermorgen fangen die vergletscherten Flanken des Iztaccíhuatl das erste Rosa des Sonnenaufgangs auf, während Popocatépetls Dampffahne nach Südosten zieht. Die beiden Vulkane gehören zum Nationalpark Izta-Popo Zoquiapan und sind von der Stadt Puebla aus erreichbar — etwa 45 Minuten auf der Autobahn 150D bis zur Parkzufahrt. Da Popocatépetl aktiv ist, richtet sich die erlaubte Annäherungsdistanz nach der aktuellen Alarmstufe der Behörde CENAPRED. Bei gelber Alarmstufe oder darunter ist der Sattelbereich in der Regel zugänglich und kostenlos zu besichtigen. November bis Februar bietet die klarste Sicht. Wer aus Mexico City (2.240 m) anreist, sollte dennoch einen Akklimatisierungstag einplanen, bevor er auf 3.700 m aufsteigt.
2. Cenote Ik Kil, Yucatán
Der Cenote Ik Kil liegt etwa 3 km östlich von Chichén Itzá an der Bundesstrasse 180 und gehört zu den bekanntesten offenen Cenotes der Halbinsel. Die Aussichtsplattform am Rand des Trichters blickt 26 m senkrecht in ein kreisrundes Becken türkisfarbenen Wassers hinab. Von oben beeindruckt vor allem die Symmetrie: Das rund 60 m breite Loch ist von tropischen Pflanzen gesäumt, und lange Luftwurzeln von Feigen und anderen Bäumen hängen bis zur Wasseroberfläche. Der Cenote wird als Teil eines Öko-Parks betrieben; eine Treppe führt hinunter zu einer Badeplattform — was von oben als Aussichtspunkt wirkt, verwandelt sich unten in ein Schwimmerlebnis. Das beste Fotolicht fällt zwischen etwa 11.00 und 13.00 Uhr, wenn die Sonne steil genug steht, um den Boden zu erreichen. Der nächste Flughafen ist Mérida (rund 120 km westlich) oder Cancún (rund 180 km östlich). Ein Besuch an einem Wochentag am späten Vormittag vermeidet die grössten Reisegruppen.
3. Sonnenpyramide, Teotihuacán
Teotihuacán, etwa 50 km nordöstlich von Mexico City, war in seiner Blütezeit eine der grössten Städte der präkolumbischen Welt, und die Sonnenpyramide ist ihr zentrales Bauwerk. Mit 65 m Höhe und einer Grundfläche von 222 m auf jeder Seite gehört sie zu den grössten Pyramiden der Erde. Der Aufstieg über 248 steile Stufen dauert 10 bis 15 Minuten und mündet in ein 360-Grad-Panorama: die Strasse der Toten nach Süden zur Mondpyramide, die Zitadelle mit dem Quetzalcóatl-Tempel am südlichen Ende, und der von vulkanischen Hügeln gesäumte Horizont des Mexiktals. Die Anlage öffnet um 09.00 Uhr; Online-Tickets mit Zeitfenster sind empfehlenswert, da die Pyramide schnell überfüllt ist und zu bestimmten Konservierungszeiten der Aufstieg eingeschränkt werden kann. Die Trockenzeit von Oktober bis April bietet den klarsten Himmel. Sonnenschutz und Wasser sind auf dem ungeschützten Gipfel unverzichtbar; die Höhe (rund 2.300 m) verstärkt die UV-Belastung erheblich.
4. Kupferschlucht — Divisadero
Das Schluchtsystem der Barrancas del Cobre in der Sierra Tarahumara im Bundesstaat Chihuahua besteht aus sechs verbundenen Schluchten, die zusammen breiter und tiefer als der Grand Canyon sind: Die tiefste Schlucht, Cañón de Urique, fällt rund 1.870 m in die Tiefe. Der Aussichtspunkt bei Divisadero ist entweder mit dem legendären Chepe-Zug (Ferrocarril Chihuahua al Pacífico) oder per Strasse ab Creel erreichbar, dem Hauptdorf der Sierra rund 80 km südöstlich von Divisadero. Der Bahnsteig in Divisadero überblickt einen dramatischen Schluchtenrand mit senkrechten Wänden, die hunderte Meter in die Tiefe fallen. Am Fuss des Aussichtspunktes verkaufen Rarámuri (Tarahumara) ihre Handwerksarbeiten. Wer mehr Zeit hat, findet im Adventure Park Divisadero Ziplines über den Schluchtenrand und einen Gondellift, während Klettersteige andere Blickwinkel erschliessen. Das beste Licht fällt am Nachmittag auf die Westwände. Nächster Flughafen und Stadt ist Chihuahua (rund 300 km nördlich per Strasse oder ein voller Tag mit dem Zug). Oktober bis April ist trocken; die Regenzeit gipfelt von Juni bis September.
5. Cerro de la Bufa, Zacatecas
Zacatecas, eine UNESCO-Welterbestadt des kolonialen Silberbergbaus auf rund 2.500 m Höhe im nördlichen Zentralmexiko, wird von einer markanten Felsformation beherrscht: dem Cerro de la Bufa, der sich direkt über dem historischen Zentrum erhebt. Eine Gondelbahn (Teleférico) verbindet die Bufa mit dem Cerro del Grillo auf der anderen Seite der Stadt und vermittelt unterwegs einen Luftblick auf das dichte Barockstrassengewirr darunter. Am Gipfel befinden sich eine Aussichtsplattform, die Capilla de los Hombres Ilustres und das Museo de la Toma de Zacatecas, das an die entscheidende Revolutionsschlacht von 1914 erinnert. Vom Mirador sieht man die rosafarbenen Türme der Kathedrale, das koloniale Stadtgitter und die rauen Berge der Sierra Madre Occidental, die sich bis zum Horizont erstrecken. Der bequemste Aufstieg erfolgt mit dem Teleférico vom Centro; ein Wanderweg führt auch von hinten am Friedhof entlang aufwärts. Der nächste Flughafen ist der Aeropuerto Internacional de Zacatecas (ZCL), etwa 30 Minuten per Auto. Abendbesuche empfehlen sich für das warme Licht an der rosafarbenen Kathedralen-Fassade.
6. Monte Albán, Oaxaca
Monte Albán ist eine der frühesten Städte Mesoamerikas, um 500 v. Chr. von den Zapoteken auf einem planierten Berggipfel im Tal von Oaxaca angelegt. Der grosse Platz liegt auf rund 1.940 m — etwa 400 m über dem Talboden — und die umliegenden Plattformen und Tempel bieten freie Sicht in alle Richtungen: nach Norden in den Etla-Arm des Tals, nach Osten nach Tlacolula und nach Süden nach Zimatlán. Rund 200 Monumente sind über den Bergkopf verteilt, darunter das pfeilförmige Astronomiegebäude J, der Ballspielplatz und die als Danzantes bekannten Steinstelen. Die Anlage öffnet um 08.00 Uhr; früh morgens lässt sich das Gelände vor Ankunft der Reisebusgruppen aus Oaxaca-Stadt erkunden, und das Streiflicht ist für Fotografien ideal. Der Flughafen Oaxaca (OAX) wird von Mexico City aus in rund einer Stunde erreicht. Collectivo-Busse ab dem Busterminal zweiter Klasse in Oaxaca-Stadt bringen Besucher in etwa 20 Minuten zum Eingang.
7. Tepoztlán — Tepozteco
Der Pyramidentempel Tepozteco thront auf einer schmalen Klippenkante über dem Städtchen Tepoztlán im Bundesstaat Morelos, rund 80 km südlich von Mexico City. Der dem aztekischen Pulquegott Ometochtli-Tepoztécatl geweihte Tempel stammt aus der späten präkolumbischen Zeit und bietet einen schwindelerregenden Blick auf die coloniale Ortschaft darunter und das von dramatischen Basaltklippen — den sogenannten Peñascos — eingerahmte Tal. Der Pfad ab dem Stadtkern ist rund 2 km lang mit einem steilen Anstieg von etwa 400 Höhenmetern; die Kletterei auf dem gut markierten Felsweg dauert rund 45 Minuten. Wasser mitbringen, da der obere Abschnitt schattenlos ist. Das beste Licht zeigt sich früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn schräge Strahlen die Klippen unter dem Tempel hervorheben. Tepoztlán ist mit dem Bus ab Mexico Citys Terminal Taxqueña in etwa 1,5 Stunden erreichbar.
8. Mirador Hierve el Agua, Oaxaca
Hierve el Agua in den Bergen östlich von Oaxaca-Stadt ist eine der ungewöhnlichsten geologischen Sehenswürdigkeiten Mexikos. Der Name — «das Wasser kocht» — erklärt sich durch das Sprudeln der mineralreichen Quellen am Kliffrand; das Wasser ist kalt, aber Kohlendioxid erzeugt die Blasen. Im Laufe von Jahrtausenden haben sich Kalk-Karbonat-Ablagerungen zu gefrorenen Wasserfall-Formationen von bis zu 50 m Höhe aufgebaut, die täuschend echt wie weisse Kaskaden über die Klippen in das Tal darunter zu fliessen scheinen. Zwei natürliche Infinity-Pools, die von den Quellen gespeist werden, sitzen am Kliffrand; in ihnen zu schwimmen, während man über das Tal schaut, gehört zu den ikonischen mexikanischen Erlebnissen. Die Mirador-Plattformen eröffnen die weiteste Sicht über die Cañada-Region. Die Zufahrt ab der nächsten Teerstrasse ist unbefestigt; 4×4-Fahrzeuge bewältigen sie problemlos, aber geführte Collectivo-Touren ab Oaxaca-Stadt (rund 70 km, 1,5 bis 2 Stunden) sind die praktischste Variante. Beste Reisezeit ist die Trockenzeit (Oktober bis April), wenn die Pools am vollsten sind. Kombinieren lässt sich der Ausflug mit dem Wochenmarkt in Tlacolula und den Mezcal-Dörfern der Valles Centrales.
9. Acapulco — La Quebrada-Klippenspringer
La Quebrada in Acapulco gehört zu Mexikos bekanntesten Liveschauspiele. Seit 1934 stürzen sich professionelle Clavadistas von einem 35-Meter-Felsen in eine nur 6 m breite Meeresbucht an der Basis. Der Sprung erfordert präzises Timing zur Einlaufwelle, da die Wassertiefe im Einschnitt zwischen 3 und 4,5 m schwankt — der Absprung ist also ebenso sehr eine Frage des richtigen Moments wie der Höhe. Der wichtigste Aussichtspunkt ist die Terrasse des Hotel El Mirador (heute La Perla Restaurant), das direkt gegenüber dem Sprungfelsen über dem Einschnitt liegt. Sprünge finden in der Regel am späten Nachmittag und abends statt, mit jeweils rund fünf Vorführungen pro Session; bei den Abendshows tragen die Springer Fackeln, was das Spektakel verdoppelt. Der internationale Flughafen Acapulco (ACA) wird täglich von Mexico City angeflogen. Acapulco bietet neben den Klippenspringern weitere Highlights: der koloniale Fuerte de San Diego mit Meerblick und der Malecón entlang der Bahía de Acapulco lohnen sich als Ergänzung.
10. Sumidero-Schlucht — Mirador del Roca, Chiapas
Der Cañón del Sumidero ist eine tiefe Schlucht, die der Río Grijalva nördlich von Tuxtla Gutiérrez — der Hauptstadt von Chiapas — durch das Bergland geschnitten hat. Die stellenweise nahezu senkrechten Schluchtwände erreichen Höhen von rund 1.000 m über dem Stausee: einer der dramatischsten Abstürze Mexikos. Eine Strasse entlang des Schluchtenrandes verbindet fünf offizielle Miradores (Aussichtspunkte); Mirador del Roca und Mirador La Coyota sind die beeindruckendsten und blicken senkrecht auf das grüne Band des Stausees, der vom Chicoasén-Damm aufgestaut wurde. An klaren Tagen sieht man die Stauseefläche fast einen Kilometer unter sich schimmern, und mit Fernglas können auf der gegenüberliegenden Böschung Krokodile und Spinnenaffen entdeckt werden. Die Aussichtspunkte liegen etwa 15 km nördlich von Tuxtla Gutiérrez; die Fahrt ab der Stadt dauert rund 30 Minuten. Alternativ fahren Boote ab Chiapa de Corzo (rund 15 km östlich von Tuxtla) die Schlucht entlang und bieten damit einen völlig anderen Blick von unten auf die Wände. Der Flughafen Ángel Albino Corzo (TGZ) in Tuxtla wird täglich aus Mexico City angeflogen.
Höhe, Akklimatisation und beste Reisezeiten
Viele der schönsten Aussichten Mexikos liegen über 2.000 m. Mexico City selbst liegt auf 2.240 m, Zacatecas auf 2.500 m, das Hauptplateau von Monte Albán auf 1.940 m und der Sattel Paso de Cortés auf 3.700 m. Wer aus dem Flachland anreist, sollte einen Ruhetag einplanen, bevor er die höheren Zugänge angeht. Symptome der Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit) klingen in der Regel nach 24 bis 48 Ruhestunden ab. Das mexikanische Zentralhochland hat ein ganzjährig gemässigtes Klima; die Regenzeit dauert von Juni bis Oktober, die Trockenmonate November bis April bieten die klarste Sicht. Das Yucatán ist heiss und schwül, aber die Cenotes sind in jeder Jahreszeit erfrischend. Chiapas lässt sich am bequemsten von Oktober bis Mai bereisen. Die interaktive Karte zeigt das breitere Angebot an Aussichtspunkten in Mexiko.