Drei Zinnen: Eine Tiefenanalyse
Die Tre Cime di Lavaredo (deutsch Drei Zinnen) sind drei nahezu senkrechte Dolomitentürme in den Sextner Dolomiten, an der historischen Grenze zwischen Italien und der einstigen Österreich-Ungarn. Das Trio steigt aus einer waagrechten Plattform und ist kilometerweit als markante Silhouette sichtbar: Kleine Zinne (2.857 m), Grosse Zinne (2.999 m) und Westliche Zinne (2.973 m). Der Rundweg darum gehört zu den berühmtesten Schleifen der Alpen.
Geologische Entstehung
Die Drei Zinnen bestehen aus triassischem Dolomit — Calcium-Magnesium-Karbonat, vor rund 220 Millionen Jahren in flachen Riffmeeren abgelagert. Die waagrechte Schichtung ist an den Türmen klar erkennbar. Die senkrechten Wände wurden im Pleistozän durch glaziale Erosion herausgearbeitet; die charakteristische Form entsteht aus der Widerstandsfähigkeit des Gesteins und Rissen, die Platten abbrechen liessen.
Der Rundweg (107)
Der klassische Weg ist Steig 101/104/105/107 — eine 10-km-Schleife mit Start und Ziel an der Auronzohütte (2.320 m). Sie quert flache Almböden, erreicht die Lavaredo- Scharte (2.454 m), fällt zur Dreizinnenhütte (2.438 m) ab und führt unter den Nordwänden zurück. Zeit: 4–5 Stunden. Höhenmeter: 400.
Das kanonische Foto
Die Sicht von der Dreizinnenhütte richtet sich nach Süden auf die drei Nordwände, mit dem Pianisee im Vordergrund. Das ist das kanonische Drei-Zinnen-Bild. Am schönsten am Nachmittag oder zum Sonnenuntergang, wenn der Dolomit orange glüht (italienisch "enrosadira").
Anfahrt
Die Mautstrasse zur Auronzohütte beginnt in Misurina; die Maut beträgt 2025 30 € pro Auto (für Motorräder weniger). Die Strasse ist von Mitte Mai bis Mitte Oktober befahrbar, wetterabhängig. In der Hochsaison früh parken; der obere Parkplatz ist um 9 Uhr voll.
Dreizinnenhütte (Rifugio Locatelli)
Die CAI-Berghütte am Rundweg verfügt über etwa 130 Schlafplätze und serviert tirolische Küche. Im Sommer unbedingt reservieren. Sie ist nach Antonio Locatelli benannt, einem Piloten des Ersten Weltkriegs. Viele Wandernde halten hier zum Mittagessen mit Aussicht.
Klettersteig-Routen
Die Drei Zinnen sind zentral für die Geschichte alpiner Klettersteige. Innerkofler-De Luca (Südwand Grosse Zinne) und die Via Comici (Nordwand Westliche Zinne) sind Klassiker. Wer durchschnittlich klettert, sollte einen Führer nehmen. Der Touristenrundweg verlangt keine Klettererei.
Andrangs-Management
Wochenenden im Sommer sind extrem voll. Was funktioniert: vor 8 Uhr starten oder die Schleife abends ab 16 Uhr gehen. Wochenmitte im Juni oder September ist deutlich ruhiger. Die Schleife wird am Nachmittag am meisten fotografiert; morgens sind weniger Fotografen an der Dreizinnenhütte.
Sonnenuntergang und Enrosadira
Das Dolomit-Gestein glüht in den letzten 30 Minuten direkter Sonne rosa-orange. Diese "Enrosadira" zeigt sich am besten von der Dreizinnenhütte mit Blick zurück auf die Nordwände in der Stunde vor Sonnenuntergang. Viele Hüttengäste übernachten genau dafür.
Ausrüstung und Wetter
Steig 101 ist moderat (T2), aber Gewitter können sich rasch aufbauen. Standard-Alpinausrüstung: Schichten, Regenjacke, gutes Schuhwerk, Wasser. Die Hütten führen Wasser; der Weg selbst nicht. Schnee kann bis Juni liegen.
Auf der Karte erkunden
Die Drei Zinnen sind das Herzstück der Aussichts-Gruppe in den Sextner Dolomiten. Der Misurinasee von unten und der Toblinger Knoten passen gut zum Rundweg. Die interaktive Karte zeigt die gesamte Gruppe.