Die zehn schönsten Aussichtspunkte Österreichs
Österreich ist auf Aussicht gebaut. Das Land hat ein Jahrhundert lang Seilbahnen, Berggasthöfe, Panoramawege und Skywalks errichtet, eben weil die alpine Geographie zu gut ist, um sie für sich zu behalten. Das Ergebnis: selbst Nicht-Wandernde erreichen mit der Bahn Aussichtspunkte von Weltrang, oft mit Kaffee und Apfelstrudel oben dazu. Die folgende Liste mischt erschlossene Aussichten mit ein paar Wanderoptionen und deckt Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten und Wien ab.
1. Nordkette — Hafelekarspitze, Innsbruck
Das Nordkette-Seilbahnsystem steigt in zwei Sektionen von der Innsbrucker Kongressstation die Karwendelwand hinauf. Die Seegrube-Mittelstation auf 1.905 m bietet bereits einen beeindruckenden Blick ins Inntal. Die Hafelekarbahn setzt dann fort zur Hafelekarspitze auf 2.256 m — die Fahrt dauert insgesamt rund 20 Minuten vom Stadtzentrum. Vom Gipfelgrat fällt der Blick direkt auf Innsbrucks Terrakottadächer und den Inn hinunter, schwenkt zum Stubai und Zillertal im Südwesten und zu den scharfen Karwendel-Kalkwänden im Norden.
Bei klarem Wetter sind mehr als 100 benannte Gipfel sichtbar. Das Panorama ist an ruhigen Herbstmorgen am schönsten, wenn das Talnebel sich aufgelöst hat und das Licht aus dem Süden weich ist. Die Sommerbetriebszeiten reichen in der Regel bis etwa 18:00 Uhr. Ein beschilderter Höhenweg führt vom Hafelekar weiter westwärts zur Birgitzer Alm. Die Hungerburgbahn-Standseilbahn verbindet den Löwenhaus-Einstieg in der Innenstadt mit der Nordkette-Bahn — zu Fuß vom Hofburg etwa 30 Minuten.
2. Pasterze-Aussichtspunkt, Grossglockner Hochalpenstrasse
Die Grossglockner Hochalpenstrasse ist eine 48 km lange Mautstraße, die Salzburg und Kärnten über das Hohe-Tauern-Massiv verbindet. Die Seitenstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 m ist der Höhepunkt der Route. Von der verglasten Aussichtsterrasse und den Freidecks sieht man die Pasterze frontal — mit rund 8 km Länge bleibt sie Österreichs längster Gletscher, obwohl sie sich seit Beginn der Messungen um mehr als 3 km zurückgezogen hat und deutlich dünner geworden ist. Informationstafeln zeigen den Eisstand jahrzehntweise. Direkt dahinter erhebt sich der Großglockner (3.798 m), der höchste Berg Österreichs.
Die Straße ist in der Regel von Anfang Mai bis Anfang November geöffnet; genaue Termine hängen vom Wetter ab. Die Maut für einen Pkw liegt bei rund 38–44 € (aktuelle Tarife prüfen). Das Hohe-Tauern-Nationalpark-Schutzgebiet umgibt die gesamte Gegend. Steinadler sind regelmäßig zu sehen, Murmeltiere bewohnen die Bergwiesen rund um das Besucherzentrum. Frühe Besuche im Juli und August lohnen sich wegen der geringeren Besucherzahl.
3. Schafbergspitze, Salzkammergut
Die Schafbergbahn von St. Wolfgang am Wolfgangsee ist seit 1893 in Betrieb und fährt bei den meisten Abfahrten noch mit Dampflokomotiven. Die Fahrt auf den 1.783 m hohen Gipfel dauert etwa 35–40 Minuten durch Buchenwälder und offene Kalksteinschultern. Die Gipfelterrasse blickt direkt auf den tiefblauen Wolfgangsee hinunter und zum schneebedeckten Dachstein-Massiv im Südosten. Mondsee und Attersee im Norden geben dem Panorama eine Seen-Landschaft, die fast inselartig wirkt.
Die Bahn fährt von Ende April oder Anfang Mai bis Anfang November. Rückfahrtickets kosten rund 35–40 € (Erwachsene); im Juli und August ist Vorbuchen dringend empfohlen, da der Zug ausverkauft sein kann. Das Dorf St. Wolfgang am See ist ein klassisches Salzkammergut-Resortziel mit Gasthäusern, Seepromenaden und der barocken Wallfahrtskirche. Salzburg liegt ca. 50 km westlich.
4. Stephansdom-Südturm, Wien
Der Südturm des Stephansdoms im Zentrum von Wien misst 136,4 m und war bei seiner Fertigstellung 1433 das höchste Gebäude im deutschsprachigen Raum. Die Türmerstube liegt auf rund 72 m Höhe und wird über 343 Stufen erreicht — einen Aufzug gibt es auf dieser Seite nicht. Der Ausblick aus den schmalen Fenstern ist der kanonische Wiener Dachblick: das aufwändige Ziegelmuster des Dachsteindachs mit 230.000 Schindeln in Vordergrundnähe, darunter die Stadtdächer bis zur Ringstraße, am westlichen Horizont der Wienerwald und an klaren Tagen das Schneebergmassiv dahinter.
Der Turm ist das ganze Jahr geöffnet, in der Regel von 09:00 bis 17:30 Uhr. Der Eintrittspreis liegt bei rund 6–8 €. Der kürzere Nordturm hat einen Aufzug und beherbergt die Pummerin, die größte Glocke Österreichs. Wer ein breiteres Stadtpanorama ohne Treppensteigen möchte: Der Donauturm (252 m) im Donaupark bietet ein 360-Grad-Rundbild mit rotierendem Restaurant über dem gesamten Wiener Becken.
5. Pyramidenkogel, Wörthersee
Der Pyramidenkogel-Turm über dem Wörthersee in Kärnten ist mit 100 m der höchste hölzerne Aussichtsturm der Welt. Er steht auf einem bewaldeten Hügel (851 m ü. M.) nahe Keutschach, was dem Deck eine Gesamthöhe von rund 950 m über dem Meeresspiegel gibt. Vom Deck sieht man den gesamten Wörthersee in seiner Länge, die Karawanken als Ost-West-Riegel entlang der slowenischen Grenze im Süden und an klaren Tagen die Julischen Alpen dahinter. Der See selbst — etwa 16 km lang und einer der wärmsten Voralpenseen Europas — leuchtet im Sommer türkis in der Tiefe.
Eintrittspreis: rund 11–13 € für Erwachsene. Die 52 m lange überdachte Rutsche vom Oberdeck zurück zum Boden gilt als Europas höchste überdachte Rutsche und dauert etwa 40 Sekunden. Das Klagenfurter Stadtzentrum ist rund 12 km östlich. Die Wörthersee-Region wird von Juni bis August am meisten besucht; der Turm bleibt jedoch das ganze Jahr weitgehend geöffnet, mit reduzierten Winterzeiten.
6. Dachstein Skywalk, Steiermark
Die Dachsteinbahn von Ramsau am Dachstein in der Steiermark steigt in drei Sektionen zur Bergstation auf 2.700 m, der höchsten in der Steiermark. Der Skywalk ist eine auskragende Stahlplattform über dem südlichen Felskantl des Dachsteinplateaus. Das Deck hängt über einem 250 m Steilabbruch und gibt einen ungehinderten Blick gerade in das Ennstal hinunter und südwärts über die steirischen Hügel zu den Karawanken. Der Großglockner ist bei guter Sicht aus 80 km Entfernung im Westen erkennbar.
Zwei weitere Attraktionen ergänzen das Erlebnis: der Dachstein-Eispalast, eine in den Gletschereis geschnittene Höhle mit einer Innentemperatur von rund −2 °C, und die „Treppe ins Nichts" — eine Wendeltreppe, die vom Rand der Plattform ins Leere führt. Kombitickets für Bahn und Attraktionen sind erhältlich. Ramsau am Dachstein ist ca. 15 km von Schladming entfernt, das seinerseits am Bahnnetz Salzburg–Graz liegt. Die beste Sichtweite ist typischerweise von Juli bis Anfang Oktober.
7. Adlerhorst, Kitzbüheler Horn
Das Kitzbüheler Horn (1.996 m) über dem Kurort Kitzbühel wird mit einer zweistufigen Gondelbahn erschlossen. Vom Gipfelplateau, dem sogenannten Adlerhorst, öffnet sich ein weites Panorama auf die Kitzbüheler Alpen, den Hohen Tauern-Hauptkamm im Süden und den Wilden Kaiser im Norden. Die blumenreichen Almwiesen rund um den Gipfel sind botanisch besonders reichhaltig — ein Alpenblumengarten mit beschrifteten heimischen Wildpflanzen ist von Juni bis August geöffnet und macht den Besuch auch für Naturinteressierte lohnenswert.
Kitzbühel liegt rund 90 km östlich von Innsbruck und ist mit der Bahn auf der Strecke Salzburg–Wörgl gut erreichbar. Das Horn lohnt sich besonders im Sommer wegen der Blütenpracht und der klaren Fernsicht; im Winter konzentriert sich der Skizirkus vorrangig auf den gegenüberliegenden Hahnenkamm.
8. Kahlenberg, Wien
Der Kahlenberg mit 484 m ist der höchste leicht erreichbare Punkt innerhalb der Stadtgrenzen Wiens. Er liegt am Nordwestrand der Stadt, wo die Wienerwald-Hügel auf die Donautiefebene treffen. Von der Terrasse und dem Café auf dem Gipfel sieht man das gesamte Wiener Becken: die Donau mit ihrem Schiffsverkehr, die Hochhäuser im 22. Bezirk, den Stephansdom im Stadtzentrum und bei klarem Wetter die Leithagebirge und den Neusiedler See dahinter.
Der Hügel ist mit dem Bus 38A ab der U4-Haltestelle Heiligenstadt erreichbar. Das Kahlenbergerdorf am Fuß des Hügels ist bekannt für seine Heurigen, wo lokaler Grüner Veltliner und Riesling aus den Klosterneuburger und Kahlenberger Weinbergen ausgeschenkt werden. Die Aussichtsterrasse ist das ganze Jahr geöffnet; besonders beliebt sind Sonnenaufgangsbesuche und Abendlicht, wenn die Stadt warm aufleuchtet. Die Gipfelkirche St. Josef wird von polnischen Pilgern besucht — König Johann III. Sobieski campierte hier vor der Türkenbelagerung 1683.
9. Wildkogel — Smaragdjet, Pinzgau
Der Wildkogel (2.225 m) über Bramberg am Wildkogel im Salzburger Pinzgau wird mit einer Gondelbahn erschlossen. Vom Gipfelgrat öffnet sich ein langer, ungebrochener Blick über den Hohe-Tauern-Hauptkamm — das höchste kontinuierliche Gebirge Österreichs — westwärts zur Venedigergruppe mit dem Großvenediger (3.657 m), einem der entlegeneren Hochgipfel Österreichs. Das Salzachtal breitet sich tief unten aus.
Der Smaragdjet ist die Winterrodelbahn, die mit 14 km die längste beleuchtete Nacht-Rodelpiste der Welt ist. Im Sommer zieht der Berg Wanderer und Mountainbiker an; die Gondelbahn fährt auch in dieser Jahreszeit für Aussichtsbesucher und Aktive. Bramberg liegt rund 15 km von Mittersill entfernt und ist von Zell am See (25 km) aus gut erreichbar — Zell am See liegt an der Hauptbahnlinie Salzburg–Innsbruck.
10. Krippenstein 5fingers, Salzkammergut
Die Krippensteinbahn von Obertraun am Hallstättersee steigt auf 2.108 m auf dem nordöstlichen Rand des Dachsteinplateaus. Die 5fingers-Plattform ist ein System aus fünf auskragenden Stahlstegen (den Fingern einer Hand), die über dem Felskantl hängen. Jeder Finger bietet einen leicht anderen Winkel: einer zeigt senkrecht hinunter die 400 m hohe Wand auf den Hallstättersee und zum historischen Dorf Hallstatt am gegenüberliegenden Ufer — eine der meistfotografierten Kulissen der Alpen. Ein weiterer Finger weist südwärts zum Dachsteinmassiv.
Das Hallstatt-Dorf unten ist UNESCO-Welterbe als Teil der Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein, und die Kombination aus historischem Ort und erhöhter Plattform macht dies zu einem der meistbesuchten Aussichtserlebnisse Österreichs. Die Bahn von Obertraun läuft von Ende April oder Anfang Mai bis Oktober. Obertraun ist per Bus von Bad Ischl (30 km) oder per Fähre von Hallstatt erreichbar. Besuche in den frühen Morgenstunden oder am Abend in der Zwischensaison (Mai, September) meiden die größten Menschenmassen.
Liftkultur und praktische Hinweise
Österreichs Seilbahnen und Zahnradbahnen prägen das Aussichtserlebnis entscheidend. Viele sind mit einem Panoramarestaurant oder Berggasthof verbunden und ganzjährig in Betrieb. Ein paar praktische Regeln gelten für die meisten Standorte: Die Warteschlangen sind von 10:00 bis 14:00 Uhr im Juli und August am längsten. Ankunft zur Öffnungszeit oder nach 15:00 Uhr verkürzt die Wartezeiten. Sommernachmittage bringen häufig aufziehende Quellwolken; Morgenlicht vor Mittag ist fotografisch günstiger. Das ÖAV-Hüttennetz bietet Übernachtungsmöglichkeiten in größeren Höhen für alle, die sich für Morgenlicht in Position bringen wollen.
Anreise: Wien ist das größte internationale Einflugtor (Flughafen Wien, VIE). Der Innsbrucker Flughafen (INN) erschließt Tirol. Das ÖBB-Schienennetz verbindet Wien mit Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Zell am See mit Railjet- und EC-Zügen; die meisten Bergbahnstationen sind per Bahn plus Lokalbus ohne Auto erreichbar.
Weiter entdecken
Die zehn Aussichten verteilen sich auf Tirol, Kärnten, Salzburg, Steiermark und Wien. Die meisten sind mit Bahn und Bus erreichbar. Die interaktive Karte zeigt Bergstationen, Höhenwege und Panoramarestaurants in Österreichs alpinen Regionen.