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Top 10 Aussichtspunkte in Island

Island ist das einzige Land der Welt, in dem man gleichzeitig auf einem Gletscherplateau und über einem Vulkankrater stehen kann, Polarlichter über dem Atlantik sieht und Puffins an der Felsklippe brütet. Die Aussichtspunkte Islands haben eine Gemeinsame Eigenschaft: nichts ist verkleinert. Wasserfälle stürzen aus Felstafeln, Lava-Ebenen dehnen sich endlos, und die Abwesenheit von Bäumen macht die Sicht in alle Richtungen absolut.

1. Hallgrímskirkja-Turm, Reykjavik

Der Glockenturm der Hallgrímskirkja — Islands grösster Kirchenbau, entworfen von Guðjón Samúelsson — ist mit 74,5 Metern der höchste Aussichtspunkt in Reykjavik. Ein Lift fährt auf den Turm; von oben sieht man das gesamte Stadtgebiet, die Reykjanes-Halbinsel, den Esja-Berg (914 m) und, bei klarem Wetter, das Snæfellsjökull-Eiskappenmassiv (1.446 m, 120 km entfernt). Eintritt 1.000 Isländische Kronen. Beste Zeit: früher Abend in den Sommermonaten, wenn das Mitternachtssonnen-Licht schräg über die Stadt fällt.

2. Dyrhólaey-Bogen, Suðurland

Dyrhólaey ist ein Basaltbogen-Felskap, das 120 Meter über dem Atlantik aufragt und ein natürliches Tor bildet, durch das früher Segelschiffe fahren konnten. Vom oberen Parkplatz blickt man westlich auf den Reynisfjara-Basaltboden und die Reynisdrangar-Felsnadeln, östlich auf den Mýrdalsjökull-Gletscher und die schwarzen Sandstrände. Zwischen Mai und Mitte Juli ist der obere Pfad zum Bohlenweg wegen brütender Papageitaucher oft gesperrt; der untere Strand-Zugang bleibt offen. Steilklippen ohne Geländer — volle Konzentration erforderlich.

3. Reynisfjara, Blick von oben

Der schwarze Basaltstrand Reynisfjara westlich von Vík í Mýrdal ist von der Strassenebene zugänglich; der Blick von der niedrigen Basaltklippe Arnardrangur auf den Strand und die Reynisdrangar-Felsnadeln (bis 66 m) ist das bekannteste Motiv. Der Aufstieg auf die Klippe ist kurz und ohne Weg; von oben sieht man die Hexagonalsäulen der Hálsanefshellir-Basalthöhle in Perspektive. Die Wellen an Reynisfjara sind für Sneaker-Wellen berüchtigt; Abstand vom Wasser von mindestens 30 Metern.

4. Háifoss, Fossárdalur, Suðurland

Der Háifoss (122 m) ist Islands zweithöchster Wasserfall; von der Aussichtsplattform am Klippen­rand fällt der Blick senkrecht in die Schlucht des Fossá-Flusses, die sich zum Þjórsá-Tal öffnet. Ein zweiter Wasserfall, Granni, fällt nebenan. Der Parkplatz liegt am Ende einer unbefestigten Piste (F-Strasse, 4x4 empfohlen) 40 Kilometer nördlich von Hella. Die beste Perspektive ist der direkte Klippen­rand-Aussichtspunkt ohne Geländer; Bodenvegetation einhalten.

5. Gullfoss-Plattformen, Hvítá-Fluss

Gullfoss (Goldener Wasserfall) liegt am Hvítá-Fluss auf dem Goldenen Zirkel und fällt in zwei Stufen (11 m und 21 m) in eine 70 Meter tiefe Schlucht. Zwei Aussichtsplattformen auf verschiedenen Höhen erlauben den Blick auf beide Stufen gleichzeitig (untere Plattform) und in das Schluchtsystem hinab (obere Plattform). Bei Regenwetter oder Schneeschmelze bilden sich Regenbogen über dem Spray. Ganzjährig zugänglich; im Winter ist die untere Plattform gelegentlich vereist gesperrt.

6. Þingvellir-Kontinentalspalte, Suðurland

Im Nationalpark Þingvellir divergiert die Nordamerikanische Platte von der Eurasischen; der Grabenmassiv Almannagjá ist der sichtbare Ausdruck dieser Trennung. Vom Aussichtspunkt am Parkzentrum-Felsen (Lögberg) blickt man westlich über die Spalte, östlich über den Þingvallavatn-See (Island grösster natürlicher See) und nördlich über das Hochland bis zum Hengill-Vulkansystem. Das isländische Althing (Parlament) tagte hier über neun Jahrhunderte.

7. Brimketill, Reykjanes-Halbinsel

Brimketill ist ein natürlicher Lavapool, geformt durch Meerwellenabrasion an der Reykjanes-Küste, 5 Kilometer westlich von Grindavík. Von der Basaltklippenoberkante sieht man den Pool (20 x 30 m), die Atlantikbrandung und die Küstenlinie Richtung Reykjanestá. Der Lichteffekt im Pool ist morgens am stärksten, wenn die Sonne den Pool von oben beleuchtet. Kein Einstieg in den Pool erlaubt; Steilklippen ohne Geländer.

8. Kirkjufell, Snæfellsnes-Halbinsel

Der Kirkjufell (463 m) nahe Grundarfjörður ist der meistfotografierte Berg Islands. Vom Wasserfallaussichtspunkt Kirkjufellsfoss westlich des Berges sieht man Berg und Wasserfall in einer Komposition. Der Gipfelaufstieg (2 Stunden einfache Strecke, T4) ist für geübte Wanderer möglich und bietet Blicke über die Snæfellsnes-Halbinsel und den Breiðafjörður. Winter (Oktober bis März): Norlichter-Fotografie mit dem Kirkjufell als Vordergrund ist das meistreproduzierte Island-Motiv weltweit.

9. Stokksnes und Vestrahorn, Ostfjorde

Die Landzunge Stokksnes an der Südostküste Islands bietet den Blick auf den Vestrahorn (454 m), einen Hornstein-Felsstock, der aus schwarzen Sanddünen aufsteigt. Bei Flut spiegelt sich der Berg im seichten Lagunenwasser; bei Ebbe entstehen Reflexionsflächen auf dem nassen Sand. Zugang über die private Viking Café-Strasse (500 Kronen Mautgebühr). Keine Wanderung auf den Berg ohne Führung; privates Gelände.

10. Mýrdalsjökull-Aussichten, Suðurland

Der Mýrdalsjökull-Gletscher (596 km²) liegt über dem Katla-Vulkan, einem der aktivsten Islands. Vom Parkplatz am Sólheimajökull-Gletscher-Arm (20 km westlich von Vík) sehen Besucher direkt auf eine Gletscherzunge im Rückzug; die Oberfläche ist durch vulkanische Asche gestreift und zeigt die aktuelle Retreat-Rate. Geführte Gletschertouren sind Pflicht für den Aufstieg auf das Eis; Wanderschuhe mit Steigeisen ab Sólheimajökull-Parkplatz.

Island planen

Der Goldene Zirkel (Þingvellir, Geysir, Gullfoss) konzentriert drei Punkte auf 200 Kilometern. Die Südküste (Dyrhólaey, Reynisfjara, Sólheimajökull, Stokksnes) ergibt eine Tages- oder Zweitagesroute. Die interaktive Karte hilft bei der Routenplanung für Ringstrasse-Reisende.